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13. August 2024

'Bis auf Weiteres'. Die erste Corona-Welle 2020 im Hinterland - ein Rückblick in zwei Teilen

"27. Februar 2020, Do.
Wuhan! Ein Ort in China ist plötzlich weltbekannt geworden. Hier soll das Zentrum einer neuen, rätselhaften Krankheit sein: Covid-19, kurz: Corona. Abends fragt Maybrit Illner (ZDF) in ihrer Talkshow: „Coronavirus ohne Grenzen – wie gut ist Deutschland vorbereitet?“ Mit dabei sind Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) und der Virologe Christian Drosten. Drosten warnt: „Die Pandemie ist nicht aufzuhalten“.

2. März 2020, Mo.
Das Robert-Koch-Institut (RKI) setzt die Corona-Gefahr von „gering“ auf „mäßig“. In den Medien und vor allem in den Talkshows wird eine neue Berufsgruppe immer bedeutender: die Virologen. Drosten, Melanie Brinkmann und heute – bereits um 20.15 Uhr bei „Hart aber fair“ (Das Erste) - Alexander Kekulé.

9. März 2020, Mo.
Neue Ambivalenzen dringen auch andernorts in den Alltag. Die Gemeinde Steffenberg sagt überraschenderweise den Mittagstisch „Gemeinsam statt einsam“ ab. Wegen Corona, sicherheitshalber. … Am Abend veröffentlicht das Gesundheitsamt Marburg-Biedenkopf eine Pressemitteilung. Es gibt nun auch im Kreis einen ersten Corona-Infizierten. Es ist eine fünfzigjährige Frau, die zuvor in Südtirol gewesen ist. Das Ergebnis für den Ehemann liegt noch nicht vor.

10. März 2020, Di.
Das hessische Privatradio FFH berichtet inzwischen von zwei Fällen in Marburg-Biedenkopf – Waren das die Niederdietener? Am Abend teilt der Landkreis mit, dass auch der Ehemann positiv getestet wurde. Es gibt hier inzwischen drei Fälle. … Die Massenmedien machen mobil: Das Erste (ARD) sendet einen ersten Corona-“Brennpunkt“ unter dem neuen Titel: „ARD Extra“. Sechs Millionen Zuschauer sehen nach der „Tagesschau“ den Schwerpunkt „Corona in Deutschland – was tun?“ Bald wird es diese Sondersendungen jeden Abend im Ersten und in den Dritten Programmen geben. Corona ist in den Familien angekommen.  #aedial! Als Bedrohung! …. (Hinterländer Geschichtsblätter 2/ 2024, Seite 169-176)

9. Mai 2017

Fakten und Fake News. Modernisierungsprozesse in den Medien

Ende des 19. Jahrhunderts veränderte der Siegeszug der Telegraphie die Informationsübermittlung gravierend. Erstmals, so schreibt Neil Postman 1985 in seinem Buch "Wir amüsieren uns zu Tode", wurde die "Idee der kontextlosen Information" marktfähig. Einst regional gebundene Informationen waren nun weitgehend zeitgleich überall nutzbar, aus "funktionalen Informationen" wurden "dekontextualisierte Fakten". Nach und nach strahlte das telegrafische Modell auf die Presse aus, dann auf das Radio und die anderen elektronischen Medien. "Zusammenhanglosigkeit", so Postman, "erhielt Eingang in den Diskurs". In den 1990er Jahren gewannen diese dekontextualisierten Fakten auch im bundesdeutschen Mediensystem an Bedeutung. Am Anfang dieser Modernisierung stand ... (Telepolis vom 9. Mai 2017)

2. Juli 2016

Silent News. Nachrichten zwischen Facebook und Fernsehen

Die Nachrichtensendungen im Fernsehen verändern sich seit geraumer Zeit rapide. Die Neuigkeiten werden nicht mehr nur bebildert oder von Sprechern verlesen, sie werden auch immer stärker grafisch gestaltet (PowerPoint).
Auf den Bildschirmen blinken mehr und mehr Zahlen auf, Namen, Funktionen, Kurztexte - und sogar Fragen sind inzwischen newsfähig geworden. "Wie geht es weiter in Idomeni?" hob etwa die Nachrichtensendung "heute plus" (ZDF) im März in sendungstypischem Gelb hervor. Doch wozu diese Verstärkungen? Die Ursachen des ploppenden "Fragenbooms" dürften nicht in der Pädagogik zu suchen sein, sondern in der "Technik" ... (Telepolis vom 16. Juni 2016)

28. April 2016

Rapider Wandel. Über Medien und Massenmedien

"Neue Techniken, so formulierte der kanadische Medienwissenschaftler Marshall McLuhan schon Ende der 1960er-Jahre, schaffen neue Umwelten. Doch diese neuen Umgebungen bleiben in der Regel zunächst unsichtbar. Wir leben schon in ihnen, aber wir erkennen sie (noch) nicht. Wir nehmen sie in den Begriffen von gestern wahr.
Presse, Radio und Fernsehen, Tonband, Kassette und Videorecorder dominierten bis in die 1990er-Jahre unsere massenmedialen Umwelten. Dann folgten Computer, Internet, Smartphone – und mit ihnen weitere ganz neue elektronische Umwelten. Sie entstanden zunächst neben den tradierten Angeboten. Dann veränderten sie – der Beschreibung noch weitgehend entzogen – auch diese grundlegend.
Die hier versammelten Beiträge über Medien und Massenmedien verstehen sich als "Probes" (McLuhan), als Erkundungen unsichtbarer moderner Medien(um)welten" (Klappentext) (Erstveröffentlichung 1/ 2015) (Mehr)

15. Juni 2015

Facebook First - Die Koppelung von Massenmedien und Daten

Am 15. Mai 2015 stellte das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) seine nun schon 20-jährige Nachrichtensendung "heute nacht" ein und ersetzte sie durch "heute+". Die neue Newssendung soll sich vor allem an jüngere Generationen richten. Und deshalb wurden für das neue Konzept nicht nur das traditionelle Nachrichtenformat und der lineare Sendungsablauf aufgegeben. Fortan - so erklärte der stellvertretende ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen - würden die Inhalte zuerst über die sozialen Medien "verteilt": „Die Fernsehausstrahlung ist das Nachrangige“.
"Facebook first" nannte der Mediendienst "turi2" die verjüngte Nachrichtenstrategie des ZDF. Und in der Tat: Die neue Newssendung könnte den Beginn einer neuen Medienepoche markieren: Die traditionellen Massenmedien Presse, Radio und Fernsehen betreten (still und) systematisch die "Walled Gardens" der internationalen (Kommunikations-)Konzerne …“ (Telepolis vom 14. Juni 2015)

8. Mai 2012

Die Sounds des Radiojournalismus

Das Radio gilt noch immer als das schnellste und aktuellste Massenmedium – und doch fällt es schwer, sich an besondere Eilmeldungen, Scoops oder gar Rechercheleistungen zu erinnern. Natürlich, da war 2010 das Deutschlandradio-Interview mit Bundespräsident Horst Köhler, das ein Anlass für dessen spektakulären Rücktritt gewesen sein soll. Aber sonst?
Internet, Fernsehen, Zeitungen, Zeitschriften haben den Hörfunk als »Faktor der öffentlichen Meinungsbildung« offenbar bereits vor langer Zeit abgelöst. Der Einfluss sei »nur noch gering«, befand SDR-Medienforscher Hansjörg Bessler schon vor dreißig Jahren. Seither scheint sich daran nichts geändert zu haben. »Nur wenig von dem, was über den Äther geht, lässt sich noch genuin als Journalismus bezeichnen«, schrieb kürzlich der Kommunikationswissenschaftler Stephan Ruß-Mohl. .. (Message – Internationale Zeitschrift für Journalismus 2-2012). Weiteres