Drei Monate nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler wollte
der noch junge deutsche Rundfunk zeigen, was in ihm steckt - und
strahlte am 1. Mai 1933, dem neuen "Tag der nationalen Arbeit", ein
16-stündiges Sonderprogramm aus. Zwischen 8.50 Uhr und 1 Uhr nachts gab
es nur ein Thema: Arbeit. Arbeiterdichter lasen, Live-Reportagen oder
"Arbeiter- und Kampflieder der SA" waren zu hören, auch das Hörspiel
"Symphonie der Arbeit" war im Programm. Es war ein "medialer
Paukenschlag", wie die Kulturhistorikerin Inge Marszolek schrieb, und es
war eine Generalprobe.
Derartiges hatte es noch nicht gegeben. Mittelpunkt des
Sonderprogramms waren Live-Übertragungen von zwei Großveranstaltungen in
Berlin ... " (epd medien vom 27. April 2018)
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5. Mai 2018
18. März 2009
"Das ist doch kein Thema ..." Über Themen und Themenkonjunkturen - eine Tagung (Berlin)
„In der politischen Willensbildung“, so formulierte der Mainzer Publizistikwissenschaftler Hans Mathias Kepplinger, „besitzen“ heute „die Massenmedien, die Parteien und das Parlament drei gemeinsame Funktionen, an deren Erfüllung sie unterschiedlichen Anteil haben: Sie stellen Öffentlichkeit her, sie definieren Themen und sie strukturieren Entscheidungen“. In sechzig Jahren Bundesrepublik Deutschland hat sich eine spezifische, „wechselseitige funktionale Abhängigkeit“ zwischen Parlament, Parteien, Medien und – so kann inzwischen getrost hinzugefügt werden - dem (im engeren Sinn) nichtpolitischen Bereich herausgebildet. Diese „funktionale Abhängigkeit“ (Kepplinger) scheint sich gegenwärtig rapide zu verändern: Die Regierungen und Parlamente haben im Rahmen der Finanzkrise 2008 an politischer und gestalterischer Kraft gewonnen, die Parteien haben angesichts der Krise offenbar an Wirkungsmöglichkeiten verloren, der politische Journalismus scheint vielfältig unter Druck (Zeitungskrise, Internet, „Rudeljournalismus“) zu stehen; gleichzeitig gewinnt der vorpolitische Bereich an Bedeutung (Kampagnen, Talkshows). Diese Prozesse entfalten im Wahljahr 2009 ihre besondere Kraft und könnten geeignet sein, etablierte Sichtweisen zu verändern: Wurden die Möglichkeiten der Regierungen in den letzten Jahren unterschätzt und andererseits die Bedeutung der „Vierten Gewalt“, der Massenmedien, überschätzt? Wird die Politikberichterstattung durch Zeitungskrisen verändert; wird – als Folge der erfolgreichen Internetmobilisierungen des neuen amerikanischen Präsidenten Barack Obama – das Internet einen neuen, politisch geprägten Boom erleben? Und welche Folgen hat das für Themensetzungen (Agenda Setting) und Themenkonjunkturen? Oder: „Das ist doch kein Thema …“, für die Ausklammerung von Themen.Das Seminar für Journalisten und Journalistinnen richtet den Blick auf ein neues und weithin noch vernachlässigtes massenmedial-politisches drei gemeinsame Funktionen, an deren Erfüllung sie unterschiedlichen Anteil haben: Sie stellen Öffentlichkeit her, sie definieren Phänomen: den Umgang von Politik, Medien und Bevölkerung mit „Themen und Themenkonjunkturen“. Denn „Themen“ sind nichts Beliebiges oder Nebensächliches, Themenproduktion hat – so der Dortmunder Politologe Thomas Meyer – einen für die gesamte Gesellschaft „bestandsnotwendigen Zweck“. Worüber also verständigen wir uns?
Erste Antworten werden die Referierenden aus Politik, Wissenschaft und journalistischer Praxis liefern.
Reaktionen: Sonja Pohlmann berichtete im "Tagesspiegel" (19. März) von der Tagung, Sabine Pamperrien in der "Berliner Zeitung" (21. März 2009). Ein weiterer Bericht: Potsdamer Neueste Nachrichten (19. März 2009). Epd (18. März 2009) berichtete so und so.
16. Juli 2008
Politik, Medien und der Siegeszug der Plausibilität - eine Tagung (Berlin)
„Was wir über unsere Gesellschaft wissen“, so der Soziologe Niklas Luhmann, „wissen wir durch die Massenmedien.“ Doch was wissen wir wirklich? Die Massenmedien (Presse, Radio, Fernsehen, Internet) befinden sich gegenwärtig in einem tiefgreifenden Umwandlungsprozess, die Digitalisierung verändert das journalistische Arbeiten tiefgreifend. „Massenmedien operieren nicht mit exakten Informationen, sondern mit Plausibilität und Resonanz: what is necessary in sensemaking is a good story“ schrieb der Berliner Medientheoretiker Norbert Bolz. „Plausibilität ist für die Massenmedien also wichtiger als Genauigkeit“
Aber auch die modernen Gesellschaften verändern sich rapide. Der wissenschaftliche Fortschritt wächst enorm – und schafft nicht nur neue, sondern auch konkurrierende Wahrheiten. Spätestens seit dem 11. September 2001 und dem folgenden „Kampf gegen den Terror“ hat sich auch die Themenagenda grundlegend verändert. Sicherheitsfragen sind für Politiker/innen und Juristen/innen weltweit immer wichtiger geworden – und wurden in der Folge auch ein relevantes Medienthema geworden.
Sicherheit steht heute ganz vorne auf der Agenda, mal unter dem Stichwort Terrorismus, mal unter Kriminalität oder elektronischer Datenspeicherung. Politik, Justiz, Industrie und Verwaltung suchen neue Wege, Sicherheit auch in Zukunft zu gewährleisten. Sicherheitsproduktion ist zu einem boomenden Sektor geworden. Doch welcher Ethik fühlen sich Politiker/innen und Behörden verpflichtet, wenn Sie vor potentiellen Terroranschlägen warnen oder (wie bei der WM 2006) nicht warnen? Und wie verarbeiten die Medien diese Nachrichten. Schüren sie Angst, sind sie Beteiligte oder berichten sie nur?
Das Seminar für Journalisten und Journalistinnen richtet den Blick auf das weithin unbekanntes mediales Phänomen: den Umgang von Politik, Wissenschaft und Medien mit Unsicherheit. Eine Strategie soll besonders behandelt werden: Die Herstellung von Plausibilität – und damit einer neuen Form von Sicherheit. Neben hochrangigen Politikern/innen gehören profilierte Medienpraktiker/innen und Wissenschaftler/innen zu den Referenten der Tagung.
Reinhard Mohr hat in seinem Beitrag "Krise der Mediendemokratie. Das Schweigen der Anderen" (Spiegel Online) auch von der Tagung berichtet, Arno Orzessek (Deutschlandradio Kultur), Marcel Fürstenau (Deutsche Welle) und Vera Linß (Inforadio (hier)) haben Audio-Berichte erstellt, Helmut Merschmann einen Bericht für das Medienmagazin "Berliner Journalisten". In seiner Ausgabe 4/ 2008 (s. 114-117) berichtet "tv diskurs" - jetzt auch online - sehr ausführlich von der Tagung.
23. September 2007
Terrorismus und Medien - eine Tagung (Berlin)
Ob in New York (2001), Madrid (2004), London (2005) oder Scharm EI-Scheich (2005) oder allgegenwärtig im Irak und in Afghanistan: Durch Terrorismus wurden weltweit Menschen getötet, verletzt und bedroht. Doch terroristische Anschläge sind nicht nur für die Betroffenen folgenreich. Die Nachricht wird durch Fernsehen, Radio, Presse oder Internet sekunden-schnell und weltweit verbreitet — und kann überall ihre bedrohliche Wirkung entfalten. Mancher meint gar, dass Terror vor allem für die Massenmedien produziert wird. Die Berichte von Tod und Zerstörung sind zu einem stetig wiederkehrenden Teil der Medienprogramme und insbesondere der Nachrichtensendungen geworden. Kaum ein Tag vergeht ohne Terrormeldung — und immer wieder wird von besonders spektakulären Attentaten in (viel gesehenen) Sondersendungen berichtet. Über die Reaktionen der Fernsehzuschauer, Hörer, Leser, über den Druck, der durch die Bilder und Berichte auf die Politik entsteht, weiß man zwar nur wenig. Doch der amerikanische Terrorismusforscher Bruce Hoffmann geht von einer „symbiotischen Beziehung zwischen Terrorismus und Medien“ aus. „Jeder von beiden“, so formulierte er 2006, „ernährt den anderen und beutet ihn gleichzeitig für seine eigenen Zwecke aus“. Und auch der Berliner Politikwissenschaftler und Terrorismusexperte Herfriert Münkler registriert eine „Verkoppelung von Gewalt und medialer Präsentation“. ...
Volker Lilienthal hat in epd medien sehr ausführlich über die Tagung berichtet (leider nicht mehr online)
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