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7. Oktober 2006

Nach der Revolution. Die Medienlandschaft in der Ukraine

In der Kiewer Universitätsgaststätte „Akademix “ flimmert aus überdimensionierten Flachbildschirmen Werbung, in der Hotelbar direkt am Maidan, dem Platz der Unabhängigkeit von 1991 und Schauplatz der Orangenen Revolution 2004, dominieren Musikvideos. Die Rezeptionistinnen im Hotel haben drei Meter vor ihre Arbeitsplätze einen traditionellen Fernsehapparat gestellt und schauen in arbeitsfreien Phasen fern. In der Metro läuft TV, und selbst im der neuen Wartehalle des Kiewer Flughafens sind die hochmodernen Flachbildschirme unübersehbar. Das Fernsehen ist in der Ukraine unübersehbar, ja allgegenwärtig.
„Sie haben ein Phänomen“, sagt Wilfried Jilge vom Geisteswissenschaftlichen Zentrum Geschichte und Kultur Ostmitteleuropas (GWZO) der Universität Leipzig: „Wenn Sie in einen ukrainischen Haushalt kommen: Der Fernseher läuft immer.“ Das Fernsehen ist in der Ukraine das bei weitem populärste Massenmedium. Da es in dem flächenmäßig größten Land Europas keine Rundfunkgebühren gibt, wird das „kostenlose “ Medium ausgiebigst genutzt. Angesichts der sehr fragmentierten Presselandschaft dürfte es in einigen Landstrichen auch das einzig zugängliche Massenmedium sein. Doch die Kiewer Vielfalt gibt es nicht überall... (weiter).

11. April 2005

Fernsehen in Israel und Palästina

"Wir haben heute abend fünf ernst zu nehmende Terrorwarnungen für den Großraum Tel Aviv", sagt ZDF-Korrespondent Alexander von Sobeck am 10. November. "Da garantiere ich Ihnen, werden Sie noch den einen oder anderen Anschlag mitbekommen." Und in der Tat: Noch in der Nacht dringen zwei Bewaffnete in das um Ausgleich mit den Palästinensern bemühte Kibbuz Metzer ein, töten fünf Menschen, darunter zwei Kinder - und setzen den (zuletzt etwas ermatteten) Kampf um die Bilder wieder in Gang.
Die Ermordungen werden in Israel umgehend zum Medienthema: Aufnahmen des trauernden Vaters, der Kinder, der Zerstörungen - und ein neuer Tenor entsteht: Jetzt trifft es sogar die Friedfertigen. In Deutschland greifen die Info-Radios den Tod im Kibbuz auf, die "Tagesschau" informiert schon zur Primetime, und auch Sobeck berichtet in "heute" über das Attentat, eine (davon unabhängige) israelische Militäraktion im Gazastreifen und - mit langer Ton-Bild-Schere - über Verhandlungen verschiedener Palästinensergruppen in Kairo ... (epd medien) (hier mehr).

9. April 2005

Polen und seine Presse

"Manchmal sind die alten deutschen Zeiten in Wroclaw noch präsent. 85 Prozent der "Festung Breslau" wurden bis 1945 zerstört, doch das alte Funkhaus der Reichsrundfunk-Gesellschaft überlebte bisher alle Stürme.
Von hier aus sendete die Schlesische Funkstunde ab 1924 ihr legendäres Programm - und noch heute weiß Janusz Klinowski, nach 1989 stellvertretender Direktor des Regionalsenders "Radio Wroclaw", zu berichten, dass in Breslau sogar das erste deutsche Hörspiel entstanden sei. Genaueres aber wisse man - und das ist auch kein Wunder - nicht mehr: Denn 1945 wurde in einem gigantischen Bevölkerungsaustausch die (vertriebene) deutsche Einwohnerschaft durch Menschen aus Lemberg ersetzt - und so hat diese deutsche Vergangenheit in Wroclaw kaum jemand noch wirklich interessiert.
Das Vergangene ist vergangen - und auch die Zeiten der kommunistischen Herrschaft, von Kriegsrecht (1981) sowie Solidarnosc sind nur noch für die einst Beteiligten große und gute Zeiten. Heute dominiert bei den frühen Machern eine resignative Melancholie. ... (epd medien) (weiter).