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28. April 2016

Rapider Wandel. Über Medien und Massenmedien

"Neue Techniken, so formulierte der kanadische Medienwissenschaftler Marshall McLuhan schon Ende der 1960er-Jahre, schaffen neue Umwelten. Doch diese neuen Umgebungen bleiben in der Regel zunächst unsichtbar. Wir leben schon in ihnen, aber wir erkennen sie (noch) nicht. Wir nehmen sie in den Begriffen von gestern wahr.
Presse, Radio und Fernsehen, Tonband, Kassette und Videorecorder dominierten bis in die 1990er-Jahre unsere massenmedialen Umwelten. Dann folgten Computer, Internet, Smartphone – und mit ihnen weitere ganz neue elektronische Umwelten. Sie entstanden zunächst neben den tradierten Angeboten. Dann veränderten sie – der Beschreibung noch weitgehend entzogen – auch diese grundlegend.
Die hier versammelten Beiträge über Medien und Massenmedien verstehen sich als "Probes" (McLuhan), als Erkundungen unsichtbarer moderner Medien(um)welten" (Klappentext) (Erstveröffentlichung 1/ 2015) (Mehr)

23. September 2007

Terrorismus und Medien - eine Tagung (Berlin)

Ob in New York (2001), Madrid (2004), London (2005) oder Scharm EI-Scheich (2005) oder allgegenwärtig im Irak und in Afghanistan: Durch Terrorismus wurden weltweit Menschen getötet, verletzt und bedroht. Doch terroristische Anschläge sind nicht nur für die Betroffenen folgenreich. Die Nachricht wird durch Fernsehen, Radio, Presse oder Internet sekunden-schnell und weltweit verbreitet — und kann überall ihre be­drohliche Wirkung entfalten. Mancher meint gar, dass Terror vor allem für die Massenmedien produziert wird. Die Berichte von Tod und Zerstörung sind zu einem stetig wiederkehren­den Teil der Medienprogramme und insbesondere der Nach­richtensendungen geworden. Kaum ein Tag vergeht ohne Terrormeldung — und immer wieder wird von besonders spek­takulären Attentaten in (viel gesehenen) Sondersendungen berichtet. Über die Reaktionen der Fernsehzuschauer, Hörer, Leser, über den Druck, der durch die Bilder und Berichte auf die Politik entsteht, weiß man zwar nur wenig. Doch der ame­rikanische Terrorismusforscher Bruce Hoffmann geht von einer „symbiotischen Beziehung zwischen Terrorismus und Medien“ aus. „Jeder von beiden“, so formulierte er 2006, „ernährt den anderen und beutet ihn gleichzeitig für seine eigenen Zwecke aus“. Und auch der Berliner Politikwissen­schaftler und Terrorismusexperte Herfriert Münkler registriert eine „Verkoppelung von Gewalt und medialer Präsentation“. ...

Volker Lilienthal hat in epd medien sehr ausführlich über die Tagung berichtet (leider nicht mehr online)

19. Mai 2007

Dreißig Minuten im Mai. Annäherungen an eine Terrorwarnung

Am 11. Mai schien es auch in Deutschland soweit zu sein. Irgendwann an diesem Freitagabend rückte auf der Homepage der „Süddeutschen Zeitung“ die Schlagzeile "Horst Köhler und der Fall Klar" nach unten, ein rotes Band verkündete "EILMELDUNG EILMELDUNG EILMELDUNG" und eine schwarze Überschrift verriet: "US-Sender: Terroranschlag auf US-Bürger steht unmittelbar bevor". "Übereinstimmenden Medienberichten zufolge", so war auf Seite 1 der Zeitung weiterhin zu lesen, "gehen amerikanische und deutsche Behörden von geplanten Terrorakten aus. Auch ein vermeintliches Anschlagsziel wurde genannt. mehr ... Ein Klick weiter, unter "mehr", war dann zu lesen: In Deutschland könnte nach Einschätzung der US-Sicherheitsbehörden ein Terroranschlag unmittelbar bevorstehen. Die Bedrohung sei "sehr real", zitierte der US-Fernsehsender ABC am Freitag einen hochrangigen US-Sicherheitsbeamten ... " (weiter).

9. Oktober 2006

In the darkest Alleys of Cyberspace. Terrorismus und Internet

Folgt man neueren Theorien, dann geht es terroristischen Strategien nicht primär um unmittelbare physische Gewalt, sondern um die psychischen Folgen der Gewaltanwendung. Terrorismus will nicht primär materielle Schäden verursachen; Terrorismus will durch die Folgen der Anschläge Angst und Schrecken verbreiten – und dazu braucht er Medien. Ohne Zeitungen, Radio oder Fernsehen, ohne ausgebaute »Mediendichte« hätte der Terror – so lautet eine weit verbreitete These – wenig Chancen.
Der moderne Terrorismus hat sich also offenbar von rein militärischen Operationsformen entfernt – und wird durch die »Verkoppelung von Gewalt und medialer Präsentation« geprägt. Er ist eine »Kommunikationsstrategie« und braucht die Medien, aber auch die Medien ›profitierten‹ von den Anschlägen. Zwischen Terrorismus und Medien herrscht, so etwa Bruce Hoffman, eine »symbiotische Beziehung« Peter Waldmann registrierte sogar »ein festes Symbioseverhältnis zwischen Terroristen und Medien«. Interessanterweise dominieren heute vor allem politikwissenschaftliche Theoriebildungen die Terrorismusdebatte. Die meisten Arbeiten kommen aus den USA, die deutschsprachige Medienwissenschaft hat das Thema überhaupt noch nicht entdeckt. ... " (IASL-Online) (weiter).

5. August 2006

Intensitätsgemeinschaften - Terrorismus und Avantgarde

Die Beziehungen zwischen Kunst und Terrorismus sind für die modernen Kultur- und Literaturwissenschaften ein Randthema. Seit Albert Camus’ außerordentlich populärem Buch Der Mensch in der Revolte (dt. 1953) wurde über die moderne und oftmals verblüffende Nähe wenig Neues publiziert. Erst nach den Anschlägen vom 11. September 2001 begann man, diese
Beziehungen wieder stärker wahrzunehmen. Vor allem Paul Berman (Terror und Liberalismus, dt. 2004) rekonstruierte – in Anschluss an Camus – öffentlichkeitswirksam die Gewaltlust moderner Kunst und Kultur: von Victor Hugo über Charles Baudelaire (»Der wahre Heilige ist der Mensch, der die Menschen zum Wohl des Volkes peitscht und tötet«), Dostojewski, André Breton bis zu Gegenwartsautoren wie Norman Mailer. Camus und Berman ging es dabei nicht um Literaturwissenschaft oder die persönliche Nähe einzelner Künstler zum Terror. Sie registrierten einen merkwürdigen modernen »Nihilismus« und »Totalitarismus«, der Rebellion, Mord und Selbstmord ununterscheidbar mache – und (laut Berman) inzwischen auch eine islamistische Variante herausgebildet hat. Ansonsten fehlt es an systematischeren Analysen: Die literatur- und vor allem medienwissenschaftliche Entdeckung des Themas Terrorismus steht noch aus ... (IASL-Online) (weiter)

15. August 2005

Terrorismus - und das Radio: Bagdad, London, Scharm el-Scheich

"Folgt man der neueren Terrorismusforschung, dann zielen terroristische Strategien nicht auf die physischen, sondern vor allem auf die ´psychischen Folgen der Gewaltanwendung´, so der Berliner Politologe Herfried Münkler (´Die neuen Kriege´). Terroristen wollen "Angst und Schrecken" verbreiten –- und dazu bedienen sie sich "der Medien" und vor allem der Bilder. Der Terrorismusforscher Peter Waldmann spricht von einer ´symbiotischen Beziehung´, Münkler von einer ´Verkoppelung´. Doch was macht das bilderfreie Radio?
´Der Irak ist auch heute wieder von Anschlägen erschüttert worden´, meldet Deutschlandradio Kultur am 20. Juni 2005. Es gab 20 Tote. Am 22. Juni sind es 18, am 23. Juni 17, am 25. Juni sechs und am 26. Juni "mindestens" 31 Tote. ´Die Behörden´ oder die ´US-Armee´ sind Quellen der Nachrichten -- und doch erreichen nicht alle Terrorakte den deutschen Radiohörer. Auch das Radio muss längst aus der Fülle selektieren. Gerade mal ´zwei bis drei Prozent´ der Anschläge, so schätzt Waldmann ganz allgemein, kommen in die Medien. Der Irak ist fern und so konzentriert man sich auf ausgewählte, nüchterne Nachrichten. Dieser Terror ist für hiesige Hörer ungefährlich.
Am 7. Juli 2005 ist vieles ... " (epd medien) (weiter).