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27. September 2024

Ein Renommee reicht nicht fürs Überleben: Der Hörspielpreis der Kriegsblinden

Wenn aus Institutionen irgendwann »renommierte« Institutionen geworden sind, ist in der Regel Vorsicht geboten. Da war mal etwas – und ist nicht mehr. So erging es dem »renommierten« Grimme-Institut (Marl), dem die Katholische Nachrichtenagentur (KNA) kürzlich bescheinigte, »zehn Jahre … in einer Art Dornröschenschlaf« verbracht zu haben. Der »renommierte« »Hörspiel preis der Kriegsblinden« wurde ausge rechnet im Jubiläumsjahr »100 Jahre Hörspiel« sehr überraschend aus gesetzt, der »Deutsche Hörspielpreis der ARD« (Preisgeld: 5.000 Euro) ganz gestrichen. Und die Auszeichnung »Hörspiel des Monats« der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste (DADK) soll »überarbeitet« werden

Zufällig sind diese Diskussionen und Veränderungen nicht. … (Politik und Kultur. Zeitung des Deutschen Kulturrats 10/ 2024, S. 6)


 

29. Oktober 2023

100 Jahre Radio im Hinterland (Altkreis Biedenkopf)

Es war ein fast hörerfreier Start. Als am 29. Oktober 1923 der „Unterhaltungsrundfunk“ im Berliner Vox-Haus startete, gab es rund 400 registrierte Zuhörer. Die Sendungen waren vor allem in der Hauptstadt zu empfangen. Das Hinterland erreichten sie nicht. Erst die Gründung der „Südwestdeutschen Rundfunkdienst AG“ in Frankfurt verbesserte seit Anfang 1924 die Empfangssituation im Kreis Biedenkopf, doch sie blieb schwierig. Als 1924 der Gewerbeverein in Biedenkopf „an gewitterfreien Tagen“ die Einwohner mit öffentlichen Veranstaltungen für das neue Medium begeistern wollte blieb die Resonanz gering. Schon kurz nach der Eröffnung wurde die Initiative wieder eingestellt: „Mangels Besuch, wegen zu hoher Unkosten und ungünstiger Witterungseinflüsse“.Das Interesse an der „Radio-Sache“ kam nicht von selbst...." (Hinterländer Anzeiger vom 27. und 28. Oktober 2023)


13. Oktober 2023

Sendemasten zu Speerspitzen - Das Radio als Medium der Propaganda. Diskussion

"Ob in der NS-Zeit oder während des Kalten Krieges, das Medium Radio spielte als Mittel der Propaganda stets eine Rolle. Welche Lehren zieht man daraus für die Zukunft und wie stark ist der Einfluss des Radios heute noch? Das ist unser Thema im Diskurs am 13. Oktober (Sendung: Freitag 13.10.2023 19.15 bis 20.00 Uhr) ... Radio und Propaganda haben in Deutschland eine wechselvolle, aber oft gemeinsame Geschichte. Ist das jetzt einhundert Jahre alte Radio besonders anfällig dafür? Welche Lektionen kann man daraus für Gegenwart und Zukunft ziehen. Und ist das Radio überhaupt so wirkmächtig, wie viele vermuten? Darüber diskutieren die Wiener Medienwissenschaftlerin und Filmhistorikerin Prof.  Karin Moser und der Hamburger Medienwissenschaftler und Journalist Dr. Hans-Jürgen Krug. Die Moderation hat Thomas Bimesdörfer vom Saarländischen Rundfunk (Mitschnitt einer öffentlichen Veranstaltung im Studio Eins des Saarländischen Rundfunks zum Auftakt der Aktionswoche '100 Jahre Radio')" (Podcast Diskurs)

100 Jahre Radio oder: Der Sound des Hinterlands


 

11. Oktober 2023

Das Radio als Medium der Propaganda


Sendemasten zu Speerspitzen. Das Radio als Medium der Propaganda. Podiumsdiskussion, Saarbrücken, 11. Oktober 2023.

30. Juni 2023

„Sender Biedenkopf“ geht in Betrieb

Mitte des vergangenen Jahrhunderts bahnt sich in der Welt des Radios eine gewaltige Veränderung an: Ultrakurzwellen (UKW) schicken sich an, die bis dato genutzte Mittelwelle (MW) zu ergänzen und schließlich zu ersetzen. Dazu braucht es jedoch neue Sendanlagen – und so geraten das Hinterland und die Sackpfeife ins Blickfeld der Planer in den Radiostationen.
UKW kann zwar nur durch neue, UKW-taugliche-Empfäner empfangen werden, hat aber mehrere Vorteile: Es ermöglicht zusätzliche, zunächst zweite Radioprogramme und ist vor allem in rauschfreier Qualität zu hören. Aber dafür müssten zunächst neue UKW-Sender gebaut werden. Auch der Äther braucht Infrastrukturen. Anfang der 1950er-Jahre beginnt der Hessische Rundfunk deshalb, das große „Viereck“ für die Bevölkerung Nordhessens aufzubauen: Die Sender Feldberg, Hoher Meißner, Wasserkuppe, Sackpfeife – benannt nach vier Bergstationen.
Eigentlich soll der neue Sender auf der Sackpfeife „offiziell“ „UKW--Sender Biedenkopf“ heißen ….“ (Hinterländer Anzeiger vom 23. Juni 2023).

12. November 2022

Bis ins kleinste Dorf. Radioräume und Strukturen

Die Anfänge des Hörfunks in Deutschland waren eher unauffällig. Der erste Sender stand im Obergeschoss des Berliner Vox-Hauses – und nur die Antennen auf dem Dach zeigten, dass hier am 29. Oktober 1923 ein neues Zeitalter begonnen hatte. Die Sendeleistung betrug 0,25 Kilowatt, die Antennen waren kaum zehn Meter
hoch – und die Bodenwellen verbreiteten sich gerade mal über fünf bis zehn Kilometer. Der Hörfunk war ein reines Großstadtmedium: 94 Prozent der ersten Gebührenzahler kamen aus Berlin. Noch 1924 begannen die Planungen für einen repräsentativen Sendeturm, der die ganze Hauptstadt mit Mittelwellenradio versorgen und gleichzeitig zu einem Wahrzeichen für die Stadt und die neue Funkindustrie werden sollte. Am 3. September 1926 wurde der Berliner Funkturm vor 1.000 Gästen eingeweiht. Er hatte 203.000 Reichsmark gekostet, doch seine Sendeleistung blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Fünf Jahre später konnte auch das von Hans Poelzig entworfene „Haus der Rundfunks“ in der Masurenallee bezogen werden. In der Mitte des fünf Millionen Reichsmark teuren Funkpalastes aus roten Ziegelsteinen dominierte der Große Sendesaal mit mehr als 1.000 Plätzen, drum herum lagen die Büros und Studios. Berlin hatte seinen eigenen, hauptstädtischen Hörfunkkomplex.
Auch die acht Regionalsender, die 1924 in „räumlich improvisierten Verhältnissen“ii ihren Betrieb aufnahmen, saßen in Großstädten. Die Mitteldeutsche Rundfunk AG (MIRAG) begann am 2. März 1924 in der „Alten Waage“ am Markt in Leipzig, die Deutsche Stunde kam in München in Räumen des Verkehrsministeriums unter. Auch in Breslau, Frankfurt, Hamburg, Königsberg, Münster und Stuttgart wurde improvisiert. Doch schon bald wurde es in den Funkhäusern eng. 1926 begann die Schlesische Funkstunde mit dem Bau eines eigenen Funkhauses am Stadtrand von Breslau. Das Gebäude kostete 700.000 Mark und überforderte die arme Gesellschaft hoffnungslos. Bald bauten auch die anderen Sender genuine Funkhäuser: München (1929), Hamburg (1931), Berlin (1931), Königsberg (1933). Die Sender erhielten eigene, funktionsgerecht geplante Gebäude. Sie waren Institutionen. 
Bereits 1924 war klar, dass das Deutsche Reich technisch durch neun Sender nicht abgedeckt werden konnte.... (Bis ins kleinste Dorf. Radioräume und Strukturen. In: Diemut Roether, Hans Sarkowicz, Clemens Zimmermann (Hrsg.): 100 Jahre Radio in Deutschland. Bonn (Bundeszentrale für politische Bildung) 2022, S. 30-41)

30. Oktober 2021

20 Jahre WDR 3 Kulturpartnerschaften in 20 Kapiteln

„WDR 3 wird 1998 – wie alle anderen WDR-Radioprogramme zuvor – zu einer 'Radiowelle' und erhält 1999 erstmals eine Wellenleitung. Das Programm erlebt die größten Veränderungen seiner mehr als 30-jährigen Geschichte. Aus dem kästchenorganisierten Mischprogramm soll sich ein eigenständiges Kulturprogramm mit originärer Orientierung an der nordrhein-westfälischen Kultur entwickeln. WDR 3 trägt den Claim 'Das Kulturereignis' und soll als Welle eine eigene durchgängige Ästhetik erhalten. Neue Zielgruppen und neue Hörer:innen sollen erschlossen werden.

Der erste Programmchef der neuen Welle ist Karl Karst. Er wird das Programm zwei Jahrzehnte lang von 1999 bis 2019 prägen. Karst beginnt sofort, die Formate zu überprüfen und das Programm weiter in der nordrhein-westfälischen Kulturszene zu verankern. Dazu entwickelt er die WDR 3 Kulturpartnerschaften. Es sind die ersten dauerhaften Partnerschaften zwischen Kultureinrichtungen eines Landes und dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Deutschland ….“ (20 Jahre WDR 3 Kulturpartnerschaftenin 20 Kapiteln. WDR 3, 2021)

28. Oktober 2021

Radio, Hörbuch, Podcast, Plattform. Zur Geschichte des Hörspiels

"Die Zahl der in Deutschland gesendeten Hörspiele ist unbekannt, doch es dürften – so hat Christoph Buggert, der langjährige Hörspielchef des Hessischen Rundfunks, 2004 geschätzt, weit über 100.000 Titel sein. Und nur die wenigsten sind noch erhalten oder noch bekannt. 

Denn das Hörspiel, die genuine Kunst des gebührenfinanzierten Radios, war seit seinen Anfängen 1924 eine extrem flüchtige Kunst. Niemand konnte die ersten Hörspiele aufzeichnen. Sie wurden live in improvisierten „Studios“ inszeniert und einmalig über Mittelwelle gesendet – dann waren sie unwiederbringlich verloren. Das Hörspiel war und ist eine technische Kunst. Wer ein Hörspiel hören wollte, musste einen Radioapparat besitzen und ihn zu einer bestimmten Zeit einschalten. Ohne Radioapparat gab es kein Hörspiel.

Das Hörspiel entstand als regionale Radiokunst.... (Poltik und Kultur, 11/2021, S. 20)


7. September 2021

Die fröhliche Welle

 "1957 begann die Compagnie Luxembourgeoise de Télédiffusion (CLT) mit der Ausstrahlung des deutschsprachigen Hörfunkprogramms „Radio Luxemburg“. Das neue Programm wurde ausschließlich durch Werbung finanziert, zunächst nur von 14 bis 18 Uhr über Mittelwelle (MW) ausgestrahlt und fand vor allem in Deutschland begeisterte Hörer. Hier gab es bis in die 1980er Jahre nur gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Radio Luxemburg sendete in eine transnationale Nische. Katja Berg hat die neue „Grenzenlose Unterhaltung“ (so der Buchtitel) durch Radio Luxemburg nun erstmals umfassend rekonstruiert. Ihre gut lesbare Dissertation beschreibt ... (Damals vom 3. September 2021)


22. Juni 2020

Kleine Geschichte des Hörspiels (3. überarbeitete und erweiterte Auflage)

"Die Digitalisierung hat inzwischen alle Medien ergriffen und auch die Radiokunst und das Hörspiel tiefgreifend verändert. Hörspiele gibt es heute nicht mehr nur im Radio, man kann sie auch in Theatern, Kinos, Clubs, Stadien oder Parks hören, als Hörbuch erwerben oder einfach aus dem Internet herunterladen. Hörspiel ist überall und bietet in der neuen Surround-Technik sogar Rundumhörgenuss.
Das Hörspiel entstand in den 1920er-Jahren als arteigene Kunst des Radios, konnte zunächst nur über Mittelwelle empfangen werden und wurde rasch zur ›Krönung des Funks‹. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die junge, flüchtige Radiokunst populär wie nie und erlebte vor allem mit Günter Eich ihre literarisch geprägte Blütezeit. Seit den 1980er-Jahren wurde Musik für die Gattung immer wichtiger, seit den 1990er-Jahren das nun formatierte Radioumfeld. Heute konzentriert sich das öffentlich-rechtliche Hörspiel auf Serien und vielstündige Adaptionen  bedeutender Romane. Das flüchtige Medium ist als Hörbuch oder Podcast dauerhaft geworden. Das Hörspiel ist eine akustische Kunst und eine offene Kunstform. Es beruht auf Wort, Musik sowie Geräusch und ist die einzige Kunstgattung, die nur gehört werden kann.
Der Autor erzählt die wechselvolle Geschichte der Hörspiele zwischen 1924 und 2020. Er beschreibt, wie technische, programmgeschichtliche, ästhetische und personelle Veränderungen in fast 100 Jahren die Radiokunst immer wieder herausforderten und veränderten. Und er berücksichtigt die Arbeit ihrer RegisseurInnen, SprecherInnen und KomponistInnen, ohne die eine moderne Geschichte des Hörspiels nicht auskommen kann"
 
Stimmen:

“Das kompakte Buch hat sich als Standardwerk etabliert und ist aus einer Bibliothek zum deutschsprachigen Hörspiel nicht wegzudenken.” (Günter Rinke: “Hörfunk und Fernsehen. Sammelrezension: Hörspiel”, MEDIENwissenschaft 1/2021)

“Über die Jahrzehnte hat der Rundfunk mit Abertausenden von Produktionen eine eigene Ästhetik entwickelt und Maßstäbe gesetzt. Zu Recht fragt daher der Medienwissenschaftler Hans-Jürgen Krug in seiner gar nicht so „Kleinen Geschichte des Hörspiels“, die soeben in überarbeiteter Fassung neu aufgelegt wurde, warum das Hörspiel als eigenständige Kunstform an Schulen und Universitäten keine Rolle spielt. Das Hörspiel als eine aus Worten, Geräuschen, Effekten, Atmosphären und Musiken erzählte Geschichte hat sich als Kunstgattung längst etabliert. Diese nicht nur zu rezipieren, sondern auch zu erforschen, wäre ein lohnendes Ziel.” (Sandra Kegel: „Stimmen hören fördert Ihre Gesundheit“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.06.2020) (Mehr).

15. Mai 2019

Grundwissen Radio. Eine Chronik des Massenmediums

"Das Radio befindet sich gegenwärtig in einem grundlegenden und eher still vollzogenen Veränderungsprozess. Die Grenzen zu Fernsehen, Print und Online werden neu bestimmt, die Grundbereiche Nachrichten und Politik, Kultur und Unterhaltung, Werbung und Musik neu gemischt. Die Gewissheiten des UKW-Radios sind brüchig geworden. Auch das akustische Medium Hörfunk denkt inzwischen mehrmedial.
„Grundwissen Radio“ beschreibt die Veränderungen des Hörfunks seit den Anfängen in Deutschland 1923 und bezieht auch die ganz aktuellen Entwicklungen mit ein. Erst in der langen Zeitlinie werden die drastischen Veränderungen deutlich, die das Radio in fast 100 Jahren durchgemacht hat. Organisatorisch, technisch, ästhetisch, medial, akustisch". (Aus dem Vorwort zu Grundwissen Radio. Eine Chronik des Massenmediums. München 2019. UVK, utb)

Stimmen:
"Der Autor zeichnet die Geschichte des Radios seit seinem Start im Jahr 1923 bis zur neuen Mobilfunktechnologie 5G nach. ... Durchweg gut verständlich geschrieben. … Empfohlen als Einführung oder Überblick für Studenten, Radiomacher oder Leser mit Interesse am Hörfunk“ (Rouven Hans, ekz.bibliotheksservice 27/2019)

6. Mai 2019

Musik im Hörspiel

"Während die Musik im Radio (quantitativ) immer eine größere Bedeutung als das Wort hatte, dominierte im lange rein öffentlich-rechtlichen Hörspiel (und in der Hörspielforschung) das Wort. Seit dem ersten Hörspiel 1924 wurde Musik zwar integriert, doch sie blieb vor allem Handlungsunterstützung, Hintergrund. Erst die technische Verbesserung der Übertragungswege (UKW), die Umgestaltung der Radiolandschaft unter (musikdominierten) Aspekten und die digitalen Produktionstechniken erhöhten den Stellenwert der Musik. Von der Klassik über Rock und Pop bis zur Rapmusik wurden alle ambitionierten und populären Musikformen auch vom Hörspiel genutzt. Das Hörspiel war für Komponisten und Musiker ein durchaus lukrativer, nicht unbedingt aber hochgeschätzter Markt. Seit den 1960er-Jahren wurden Komponisten bewusst als genreerweiternde Hörspielmacher ermuntert, in den 1970er-Jahren entstanden „Pop-Hörspiele“ und später „Hörspiel-Pop“, seit den 1990er-Jahren drängte die Radiokunst verstärkt auf die neuen CD-Märkte. Schwerer hatte es das (reine) Musikhörspiel etwa in der Tradition der Konkreten Musik. Die Digitalisierung (seit den 1990er-Jahren) und – dann (seit den 2000er-Jahren) – die Adaption filmischer Soundkonzepte wie „Braaam“ aus Hollywood verstärkten erneut den Stellenwert von Musik (und Geräuschen) .... "(In: Holger Schramm (Hrsg.): Handbuch Musik und Medien. 2. Auflage 2019).

16. Dezember 2018

Als Biedenkopf ganz Hessen weckte. Der 'Frankfurter Wecker' im Hinterland

„1949 lud die amerikanische Militärregierung Eberhard Beckmann, den Intendanten des Hessischen Rundfunks zu einer achtwöchigen Studienreise durch die USA ein. In Kalifornien hörte er die Morgensendung 'Der fröhliche Wecker' und war beeindruckt. Eine ähnliche Sendung wollte er auch für Hessen haben: Sie sollte am frühen Morgen live ausgestrahlt werden, vor Publikum stattfinden - und vor allem unterhalten. Am 4. Mai 1952 wurde der erste 'Frankfurter Wecker' live aus dem Funkhaus in Frankfurt ausgestrahlt. Die Veranstaltungsform war damals ein großes und teures Experiment, doch die Matineen wurden landesweit rasch äußerst beliebt. Wenn der 'Wecker'-Tross in den Sommermonaten mit 20 Lastwagen und mehreren Übertragungswagen auf Reisen ging, so berichtete Rüdiger Knott 2016 in der Radiocollage 'Jenseits der Zentren', dann war das in den hessischen Kleinstädten 'das Kulturhighlight des Jahres'. Am 29. Juni 1953 gastierte der 'Frankfurter Wecker' in Biedenkopf. Es war die erste große Radiosendung aus der Region – und für die 6000 Einwohner eine doppelte Sensation. …„ (Jahrbuch für den Landkreis Marburg-Biedenkopf, S. 181-183).

16. Oktober 2018

Schweigend vor Lautsprechern. Gemeinschaftsempfang 1933 im Hinterland

Nach dem 30. Januar 1933 wurden politische Reden in Deutschland zu einem festen Bestandteil des Rundfunkprogramms. Der nationalsozialistische Reichskanzler Adolf Hitler, Joseph Goebbels oder Hermann Göring kamen so oft und prominent ins Radio, dass Zeitgenossen von einem regelrechten „Trommelfeuer“ sprachen. Auch im Hinterland und in Wittgenstein waren die Reden in Berlin und dann in Köln, Dortmund oder Hamburg live im Radio zu hören. Zu Hause – und gemeinsam in öffentlichen Veranstaltungen. Das war, so der in Biedenkopf geborene Historiker Gerhard Paul in meiner Radiocollage „Jenseits der Zentren“, „etwas vollständig Neues“ … . (HinterländerGeschichtsblätter 3/ 2018 vom 15. Oktober 2018)

5. Mai 2018

Totale Überwältigung. Der 1. Mai 1933 als Propagandatag im Radio

Drei Monate nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler wollte der noch junge deutsche Rundfunk zeigen, was in ihm steckt - und strahlte am 1. Mai 1933, dem neuen "Tag der nationalen Arbeit", ein 16-stündiges Sonderprogramm aus. Zwischen 8.50 Uhr und 1 Uhr nachts gab es nur ein Thema: Arbeit. Arbeiterdichter lasen, Live-Reportagen oder "Arbeiter- und Kampflieder der SA" waren zu hören, auch das Hörspiel "Symphonie der Arbeit" war im Programm. Es war ein "medialer Paukenschlag", wie die Kulturhistorikerin Inge Marszolek schrieb, und es war eine Generalprobe. Derartiges hatte es noch nicht gegeben. Mittelpunkt des Sonderprogramms waren Live-Übertragungen von zwei Großveranstaltungen in Berlin ... " (epd medien vom 27. April 2018)

10. Januar 2018

Als der Hörfunk ins Hinterland kam – und das Hinterland ins Radio


"Bereits im Juni 1924, zwei Monate nach Start des SWR, versuchte der „Gewerbeverein“ in Biedenkopf „an gewitterfreien Tagen“ gemeinsames Radiohören zu ermöglichen. Ähnlich wie im Kino sollten die Mitglieder für 10 Pfennig Eintritt (Nichtmitglieder: 50 Pfennig) täglich ab 20 Uhr im „Gewerbeschulgebäude“ gemeinsam Rundfunk hören können. Doch das Experiment scheiterte rasch. Schon zwei Tage nach der Ankündigung wurde das Projekt „mangels Besuch, wegen zu hoher Unkosten und ungünstiger Wetterverhältnisse“ wieder eingestellt. Eine Infrastruktur für stabilen Radioempfang war im Hinterland noch nicht vorhanden. Radio war kein Kino, die Lust am reinen, flüchtigen Hören erst schwach ausgebildet, vielleicht sogar fremd. Und nur sehr wenige Biedenkopfer sahen – wie ein unbekannter Leserbriefschreiber - in dem neuen Medium ein neues „Bildungsmittel“, das die Ferne zu den „Mittelpunkten des geistigen und künstlerischen Lebens“ der Weimarer Republik mildern könnte. ..." (Jahrbuch für den Landkreis Marburg Biedenkopf 2018)

11. August 2017

Als Biedenkopf ganz Hessen weckte. Der 'Frankfurter Wecker' kommt in den 50er und 60er Jahren mehrfach aus dem Hinterland

1949 lud die amerikanische Militärregierung Eberhard Beckmann, den Intendanten des hessischen Rundfunks zu einer achtwöchigen Studienreise durch die USA ein. In Kalifornien hörte er die Morgensendung „Der fröhliche Wecker“ und war beeindruckt. Eine ähnliche Sendung wollte er auch für Hessen haben: Sie sollte am frühen Morgen live ausgestrahlt werden, vor Publikum stattfinden - und vor allem unterhalten.
Am 4. Mai 1952 wurde der erste „Frankfurter Wecker“ live aus dem Funkhaus in Frankfurt ausgestrahlt. Die Veranstaltungsform war damals ein großes und teures Experiment, doch die Matineen wurden landesweit rasch äußerst beliebt. Wenn der „Wecker“-Tross in den Sommermonaten mit 20 Lastwagen und mehreren Übertragungswagen auf Reisen ging, so berichtete Rüdiger Knott 2016 in meiner Radiocollage „Jenseits der Zentren“, dann war das in den hessischen Kleinstädten „das Kulturhighlight des Jahres“.(Hinterländer Anzeiger vom 5. August 2017).
 

6. April 2017

Als das Radio ins Hinterland kam. Von der ersten Hörfunksendung bis zur Idee des Volks-Fernsehers

Am 29. Oktober 1923 startete der Hörfunk in Deutschland und vielleicht 500 Menschen in und um Berlin konnten die ersten Sendungen aus dem Vox-Haus hören. Ein halbes Jahr später, am 1. April 1924 folgte die Südwestdeutsche Rundfunkdienst AG (SWR) in Frankfurt. Ihr Hörfunkprogramm konnte vor allem im Großraum Frankfurt-Kassel empfangen werden - und damit auch im Hinterland.
Anfang 1924 erschienen die ersten Anzeigen für Hörfunkgeräte im "Hinterländer Anzeiger". Radio war von einem Massenmedium noch weit entfernt - und so war es auch nicht besonders überraschend, dass zunächst Radiohändler aus Großstädten annoncierten. "Rud. Mosse" aus dem fernen Frankfurt inserierte im Hinterland, Jakob Bastians Nachfolger (Wetzlar) und die "Südwestdeutsche Radio-Amato-Gesellschaft". Der "Radio-Vertrieb Th. Steinheim & Söhne" (Frankfurt) bot "sämtliche Apparate und Einzelteile" an. "Verlangen Sie unsere Preisliste gratis" ....(Hinterländer Geschichtsblätter vom 31. März 2017)

10. März 2017

Jenseits der Zentren. Radio in Wittgenstein und im Hinterland

Mitte 2016 begann im Internationalen Radiomuseum in Bad Laasphe das Pilotprojekt „Radio in Wittgenstein und im Hinterland“. Die beiden Regionen liegen zwischen Siegen und Marburg im östlichen Nordrhein-Westfalen und im westlichen Hessen.
Die Radiocollage „Jenseits der Zentren“ schildert mehr als 90 Jahre Radiogeschichte. Sie entstand unter der Leitung des Medienwissenschaftlers Hans-Jürgen Krug und in Zusammenarbeit mit der Servicestelle Bürgerfunk Siegen-Wittgenstein und der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen. Es ist die erste Geschichte des Radios in dieser Region, vermutlich die erste Radiogeschichte einer Region überhaupt. Mitwirkende waren: Heinz Willi Bach, Hochschullehrer und 1967 Piratenfunker in Marburg; Otto Düsberg, Bürgermeister a.D. in Bad Laasphe; Rüdiger Knott, in den 1950er Jahren Journalist in Frankenberg und ehemaliger Leiter von NDR 90,3; Hans-Jürgen Krug, Medienwissenschaftler und im Hinterland aufgewachsen; Hans Necker, Direktor des Radiomuseums in Bad Laasphe; Gerhard Paul, in Biedenkopf aufgewachsen und zuletzt Professor für die Didaktik der Geschichte in Flensburg; Werner Reichel, Steinmetz, 80 Jahre und Geschichtenerzähler; Waltraud Schäfer, stellvertretende Landrätin des Kreises Siegen-Wittgenstein.
Ursendung: Radio Siegen, Bürgerfunktermin (18. November 2016, 20.03 Uhr - 21 Uhr). Wiederholungen: Tide 96.0, Hamburg (30. November 2016 und 29. Dezember 2016) und Radio Unerhört Marburg (12. Januar 2017). Öffentliche Uraufführung: Internationales Radiomuseum, Bad Laasphe (1o. März 2017)
Reaktionen:
"Eine spannende Zeitreise durch 90 Jahre Radio" (Patrick Friedland, derwesten)
"Wer Gelegenheit hat ... Krugs Feature zu hören, sollte es tun" (Christian Bartels/ epd medien)